Bindeglied zwischen Homöopathie und Akupunktur

Zwei Naturheilverfahren werden miteinander kombiniert: die aus Europa kommende Homöopathie und die in Asien entwickelte Akupunktur. Homöosiniatrie bedeutet Injektion von Medikamenten in Akupunkturpunkte. Bei vielen Erkrankungen kann ein überraschend guter Behandlungserfolg verzeichnet werden, da sie den Heilungseffekt beider Therapien in sich vereinigt.

Bereits im vorigen Jahrhundert entdeckte der homöopathische Arzt Dr. A. Weihe, daß jede Krankheit bestimmte Punkte an der Körperoberfläche des Erkranken entstehen läßt, die spontan oder durch Fingerdruck schmerzempfindlich reagieren. Er fand also Verbindungen zwischen Punkten auf der Haut zu Organen im Körperinneren. Beispielsweise hat eine kranke Gallenblase einen bestimmten druckempfindlichen Punkt am rechten Rippenbogen, ein krankes Herz hat seinen Projektionspunkt auf dem Rücken, usw.. Ohne Kenntnis von Akupunktur zu haben, fand Dr. Weihe ca. 200 Punkte, von denen die meisten mit chinesischen Akupunkturpunkten übereinstimmen!

Dr. Weihe war seiner Zeit weit voraus, denn vor 100 Jahren war die chinesische Akupunktur in Europa noch völlig unbekannt. Die alten Chinesen allerdings wußten bereits seit 5000 Jahren von dem Bezug krankhafter Organe zu bestimmten Punkten an der Körperoberfläche. Bei der Akupunktur nutzen sie bis heute den umgekehrten Weg: durch Stechen von Akupunkturpunkten werden Signale ins Körperinnere ausgesandt und dadurch die Heilung oder Linderungen von Schmerzen und Krankheiten erreicht.

Dr. Weihe nummerierte jeden gefundenen Punkt und nutzte sein System für Diagnose und Therapie. Den jeweiligen Druckpunkten ordnete er systematisch die entsprechenden homöopathischen Arzneimittel zu, die die betreffende Krankheit heilen oder lindern sollten. War z.B. Punkt 53 schmerzempfindlich, setzte er das Mittel Secale cornum ein. Punkt 53 ist identisch mit dem Akupunkturpunkt Gb 24. Auch stimmt das homöopathische Mittel mit Indikation und Symptomatik des Akupunkturpunkts überein. Ein weiteres Beispiel ist der Weihesche Punkt 32 mit dem großartigen Lungenmittel Drosera. Er entspricht dem Akupunkturpunkt Ma 16, der besonders bei Lungensymptomen gestochen wird.

Mit der Homöosiniatrie werden zwei unterschiedliche Wirkungsrichtungen angesprochen.

Akupunktur wirkt energetisch: Nach der Vorstellung der traditionellen chinesischen Medizin fließt im Körper die Lebensenergie Qi, die aus den beiden Gegenkräften Yin und Yang besteht. Yin und Yang sollen im Gleichgewicht sein. Dominiert eine Kraft über die andere, wird der Energiefluß gestört und der Mensch wird krank. Ziel der Akupunktur ist, den ungestörten Energiefluß im Körper wieder herzustellen und Ausgleich und Harmonisierung von Yin und Yang zu erreichen.

Homöopathie ist eine spezifische Reiztherapie. Substanzen pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Ursprungs werden potenziert, d.h. verdünnt und verschüttelt, und so ins Informative übergeführt. Die Auswahl der Arzneimittel erfolgt nach Hahnemanns Ähnlichkeitsregel. "Wähle, um sanft, schnell, gewiß und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfall eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden erregen kann als sie heilen soll." Die Information des homöopathischen Mittels und die Information des Patienten mit seiner Konstitution und seinen Krankheitssymptomen sollten einander ähnlich sein. Ziel der Homöopathie ist, die selbstregulierenden Kräfte im Körper zu aktivieren.

Heute sind ca. 500 homöosiniatrische Punkte bekannt. Die Behandlung erfolgt durch Injektion geeigneter homöopathischer Mittel in die richtigen Akupunkturpunkte. An den Ort des Einstichs wird eine Quaddel mit dem entsprechenden Mittel gespritzt und damit der Akupunkturpunkt stimuliert. Auf diese Weise wird ein bis zu 24 Stunden anhaltender, lokaler Reiz erzielt. Diese Therapieform ist besonders für reaktionsschwache Patienten geeignet, die auf Akupunktur nur ungenügend ansprechen. Die Wirkung der Behandlung wird gesteigert, da dem Patienten sowohl eine energetische, als auch eine medikamentöse Behandlung zuteil wird, .
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